“Wasser verspricht für das 21. Jahrhundert das zu werden, was Öl für das 20. Jahrhundert war: Ein kostbares Gut, welches den Reichtum von Nationen bestimmen kann”

Mehr als 2,4 Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu Trinkwasser und mit der stetig wachsenden Bevölkerungszunahme steigen die Bedürfnisse nach ausreichender Wasserversorgung ins Unermessliche.

Nicht nur multinationale Nahrungsmittelkonzerne ziehen aus dem Handel mit Quellwasser Gewinn, indem sie es als teures Gut verkaufen. Auch Wasserwirtschaft und -verteilung sind mittlerweile zu einem vermehrt privatwirtschaftlich organisierten Sektor und Markt geworden.

Wie andere natürliche Monopole ist auch die Wasserwirtschaft laut Theorie am effizientesten, wenn sie in den Händen nur eines Unternehmens liegt. Die Versorgung mit Trinkwasser bedarf bedeutender Infrastrukturen. Sind diese erst einmal vorhanden, werden durch Skaleneffekte Kosten eingespart. Es wäre also nicht zweckmäßig, die nötigen Infrastrukturen zu vervielfachen.
Für die Wasserversorgung genügt daher ein einziger Akteur am Markt. Allerdings besteht in einem solchem System auch das Risiko steigender Wasserpreise. Damit diese nicht über den Produktionskosten festgelegt werden, unterliegen natürliche Monopole der staatlichen Kontrolle.

In Deutschland liegt die Bereitstellung von Trinkwasser traditionell in der Zuständigkeit der Stadtwerke, deren Träger die Kommunen sind. In Frankreich sind – seit der Französischen Revolution – die Gemeinden für die Trinkwasserversorgung zuständig. Meistens übertragen sie diese Aufgabe jedoch über Konzessionen an Privatunternehmen.
Den Löwenanteil der Wasserdienstleistungen teilen sich die französischen Unternehmen Veolia, Suez Environnement und SAUR. Trotz zahlreicher Skandale und obwohl Städte wie Grenoble und Paris die Wasserversorgung rekommunalisiert  haben, liegt die Wasserwirtschaft nach wie vor meist in privatwirtschaftlicher Hand.

Experten gehen davon aus, dass der Mensch zum Trinken, Kochen und Waschen rund 20 Liter am Tag braucht. Sehr sparsam verwendet würden auch zehn Liter reichen. In Regionen mit Wassermangel müssen Bewohner mit gerade einmal fünf Liter oder weniger auskommen. Da Trinkwasser bereits jetzt ein knappes Gut darstellt, steigt logischerweise auch das wirtschaftliche Interesse von Unternehmen. Eines der größten und umstrittensten ist Nestlé.

Nestlé und das Wasser

Wie kaum ein anderer Konzern ist der Lebensmittelmulti in unserem Leben präsent. Unter mehr als 2.000 Marken verkauft der Schweizer Konzern Süßigkeiten, Babynahrung, Kaffee, Cornflakes, Fertiggerichte, Tierfutter und vieles mehr.

Rund sechs Milliarden Euro verdienen die Schweizer mit ihren weltweit 73 Wassermarken.
Die bekannteste Marke: Pure Life

In Algerien zum Beispiel hat Nestlé die Wassernutzungsrechte erworben und lässt Fabriken bewachen und einzäunen. In Pakistan das Gleiche. In beiden Ländern wird das Wasser angezapft und für viel Geld in Plastikflaschen weiterverkauft, während die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu öffentlichen Quellen hat.

34,6 Liter Flaschenwasser werden weltweit pro Kopf und Jahr getrunken. Tendenz stark steigend. Der Verbrauch variiert von Region zu Region: Mexikaner trinken jährlich 201 Liter, Deutsche 135 Liter und Chinesen 21 Liter. Der Clou: Der Rohstoff ist spottbillig, die Weiterverarbeitung einfach, der Verkaufswert hoch. In Nigeria ist ein Liter Wasser teurer als ein Liter Benzin.

Seit langem warnt der WWF (World Wide Fund for Nature) vor einer weiteren Zuspitzung der globalen Wasserkrise. So ist es allein seit der Jahrtausendwende weltweit zu über 50 Konflikten mit Gewalteinwirkung aufgrund der Nutzung von Wasser gekommen.

Je schlechter der Zustand der kommunalen Trinkwasserversorgung, je verschmutzter das Wasser, desto höher der Umsatz der Konzerne.

Wasser bedeutet Leben

Nach einer neusten Studie leiden mehr als 30% der Menschheit unter den Folgen der Wasserknappheit. Jeden Tag sterben 4.000 Kinder weltweit an Krankheiten, die durch Wasserverschmutzung hervorgerufen werden. Durch die Privatisierung der natürlichen Wasserquellen durch internationale Großkonzerne wird diese Situation noch weiter verschärft. Darf Wasser zum Privileg der Reichen werden? Die Süddeutsche Zeitung schreibt: “Wer den Zugang zum Wasser kontrolliert, hat den Zugang zur Macht.”

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